SynästhesieWas ist Synästhesie?Synästhesie ist eine neurologische Besonderheit die manche Menschen haben. Bei ihnen verarbeiten die einzelnen Wahrnehmungszentren nicht nur die Sinnesreize ihrer jeweiligen Sinnesorgane, sondern auch die anderer. Manche Sinnesreize werden also in mehr als einer Wahrnehmungsmodalität wahrgenommen, beispielsweise können Geräusche und insbesondere Musik nicht nur auditiv, sondern auch als Objekt mit einer bestimmten Form und Farbe wahrgenommen werden, während Buchstaben beispielsweise einen eigenen Geruch haben. Aber laut einigen Quellen ist die weitaus häufigste Synästhesie (-Form) das sehen von farbigen Buchstaben. Dabei hat für einen Syn (Slang für "Synästhetiker") jeder Buchstabe eine bestimmte Farbe, unabhängig davon in welcher dieser gerade auf irgendeinem Plakat oder in einem Buch in dem er gelesen wird steht. Die Farbe erscheint sogar sobald sich ein Syn einen Buchstaben vorstellt, ganz von alleine. Das ganze klingt jetzt für manche vielleicht ein bisschen komisch und verwirrend. Man könnte denken, dass Syns die Welt wie in einem Drogenrausch wahrnehmen müssten, da ständig irgendwelche Objekte um sie herum fliegen würden sobald sie etwas hören, alles kunterbunt werden müsste sobald sie im Restaurant die verschiedenen Gerichte riechen oder das sie laute Töne ertragen müssten sobald sie etwas davon essen. Für diejenigen, die diese Vermutung haben, habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Ja, das ist tatsächlich so, Syns nehmen ihre Umwelt deutlich vielfältiger wahr als nicht-Syns. Aber es gibt einige Drogen die aus jedem nicht-Syn einen Syn machen können, so dass theoretisch jeder in diesen "Genuss" kommen könnte. Jetzt aber mal die gute Nachricht: anders als nicht-Syns, die sich mal eben eine teure (außerdem illegale und gefährliche!) Pille reingehauen haben, sind für Syns diese Wahrnehmungen normal, sie kennen nichts anderes. Ihre Synästhesien sind praktisch angeboren, und ein Leben ohne diese "erweiterten" Wahrnehmungen ist für sie ebenso unvorstellbar wie diese es für nicht-Syns sind. Diese wären von diesen Wahrnehmungen dermaßen benommen, dass sie kaum noch sinnvolles tun könnten (es gibt ja leider genug Statistiken über Drogentote). Dementsprechend würde einem Syn die Welt ziemlich langweilig und unnatürlich vorkommen wenn plötzlich ein Teil der Wahrnehmung fehlen würde. Tatsächlich ist es jedoch so, dass bei Syns nicht jeder Sinn mit jedem gekoppelt ist. Jeder Syn hat einzelne Synästhesien, also Verbindungen zwischen zwei Wahrnehmungen. Manche Syns haben nur eine einzelne Synästhesie (meistens das sehen von farbigen Buchstaben und Zahlen), die anderen besitzen gleich mehrere. Aber diese Zahl hält sich auch in Grenzen, nur wenige haben mehr als 5 verschiedene Synästhesien. Es hat sich übrigens gezeigt, dass es nicht immer ganz leicht ist, nicht-Syns richtig zu erklären, was Syns sind. Ist ja auch verständlich, schließlich ist Wahrnehmung etwas, was jeder Mensch für sich selbst als etwas absolutes definiert. Man hört leider immer wieder von Syns, dass sie von anderen als Spinner degradiert werden - so eine Reaktion darf nicht sein! Manche Fernsehberichte und Artikel erwecken auch leider diesen Eindruck, auch wenn sie nicht die Absicht haben. Man muss also schon betonen, dass Syns stink normale Menschen sind, die halt einfach nur über eine etwas erweiterte Wahrnehmung verfügen. Damit meine ich jetzt nicht, dass sie Sachen wahrnehmen, die andere nicht wahrnehmen, sondern dass die Wahrnehmung einfach vielfältiger ist. Wer übrigens nicht glaubt, dass man mit so einer Wahrnehmung trotzdem "normal" sein kann, der kann sich ja mal mit mir unterhalten. Ich bin ja selber ein Syn, und damit ein ideales "Beweisstück". Etwas genauer bitteStatistikenWir leben in einer Gesellschaft, die Zahlen und Fakten sehen will. Mit Zahlen kann man rechnen, Statistiken kann man umrechnen und hochrechnen. Erst hiermit kann man wissenschaftlich arbeiten, und als Mensch im Alltag eine Vorstellung von etwas bekommen. Wer sich für Synästhesie interessiert, interessiert sich auch für die Zahlen dazu, sprich Häufigkeiten, Verteilungen, sonstige Auffälligkeiten. Es gibt inzwischen viele Umfragen und Untersuchungen. Aber anders als man erwarten würde, decken sie sich leider nicht immer. Gründe dafür gibt es genug, der Hauptgrund ist aber sicherlich, dass Synästhesie in der Gesellschaft leider noch nicht bekannt genug ist, um eine wirklich repräsentative Stichprobe zu bekommen. Gerade die etwas selteneren Synästhesieformen kommen dabei etwas zu kurz. Es gibt auch Synästhesien die einem eher auffallen als andere, manche Syns leben also mit ihren Synästhesien, ohne dass sie diese jemals bemerken. Was ich hiermit ausdrücken will: Die vielen Statistiken sind vielleicht ganz interessant, aber man sollte sie bitte nicht zu ernst nehmen. Meiner Meinung nach können sie momentan nur Tendenzen anzeigen. Außerdem sind die meisten Untersuchungen und Statistiken die ich kenne zu "lieblos" gemacht. Es wird einfach nur aufgezählt und Histogramme gebildet, ohne auf die Zusammenhänge zu achten. Ich habe bisher noch keine Statistik gesehen, in der man ablesen kann wie häufig bestimmte Synästhesie-Kombinationen vorkommen. Andere, sekundäre Aspekte der Synästhesie werde auch nur selten beachtet, beispielsweise Hypersensibilität oder Charakterzüge. Nun aber mal zu den Zahlen: die letzte Schätzung besagt, dass jeder 500ste Mensch ein Syn ist. Ältere Statistiken sprechen von einer Häufigkeit von 1:2.000 oder gar 1:25.000. Aber zu beachten ist, dass es sich hierbei um Schätzungen handelt, die mit einer leider noch viel zu hohen Dunkelziffer leben müssen. Wie schon erwähnt, Synästhesie ist noch nicht überall bekannt, ein großer Teil der Bevölkerung weiß noch nichts davon. Früher wurde oft geschrieben, dass es 20 mal mehr Synästhetikerinnen als Synästhetiker gibt. Inzwischen geben die meisten Untersuchungen ein Verhältnis von 7:1 bis 3:1 an. Wie man sieht, ist diese Zahl sehr ungenau! Aber man kann trotzdem schon 2 Sachen folgern: es gibt auf jeden Fall mehr Frauen als Männer (ich betone das extra weil es nicht sehr offensichtlich ist :P). Aber man sieht auch, dass immer mehr Männer bei diesen Untersuchungen Teil nehmen. Welche Gründe kann das haben? Nun, ein Grund ist sicherlich, dass Frauen wohl etwas genauer auf ihre Wahrnehmung achten - Männer sind i.d.R. pragmatischer. Ein anderer Grund kann sein, dass Männer - sobald sie erkannt haben, dass bei ihnen etwas anders ist - das nicht sofort zugeben wollen. Da schlägt die Biologie wieder zu, man(n) will neben seinen "Konkurrenten" keine möglichen Schwächen zeigen. |
